Mitarbeitende bei der Gestaltung gesunder Arbeit beteiligen

Die Gefährdungsbeurteilung für die psychische Belastung gehört nach § 5 ArbSchG zur Pflicht für jeden Arbeitgeber. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen auf Herz und Nieren zu prüfen und an den Stellen nachzubessern, wo sie der Gesundheit der Mitarbeitenden schaden können.

workshops sind ein geeignetes format im rahmen der gefährdungsbeurteilung

Workshops sind moderierte Gruppendiskussionen. Bei der Gefährdungsbeurteilung für die psychische Belastung werden sie in erster Linie zur vertieften Analyse der Gefährdungen eingesetzt.

Die meisten Analysen beginnen damit, dass Sie sich mit Hilfe eines schriftlichen Fragebogens einen ersten Überblick über die Belastungssituation Ihrer Beschäftigten verschaffen. Das ist gut, um viele Beschäftigte zu erreichen. Außerdem bekommen Sie rasch eine Idee, wo genau der Schuh drückt. Die Ergebnisse dieser Analysen sind jedoch häufig nicht konkret genug, um geeignete Maßnahmen zu entwickeln. Denn beim Einsatz eines standardisierten Fragebogens bekommen Sie beispielsweise Aussagen, wie: „65 % der Beschäftigten im Bereich Customer Support geben an, dass sie oft nicht genau wissen, welche Dinge in ihren Verantwortungs-bereich fallen.“ Dieses Ergebnis sagt Ihnen zwar, dass Sie für mehr Klarheit bei der Verteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Kundenservice sorgen sollten. Allerdings wissen Sie nicht genau, was die Beschäftigten ganz konkret meinen.

Und hier kommt der Workshop ins Spiel. Wenn Sie die Beschäftigten im Anschluss an die schriftliche Befragung zu einer Diskussionsrunde einladen, erfahren Sie mehr über die Hintergründe und Ursachen für das Problem.

holen sie sich die Ideen ihrer Mitarbeitenden und erhöhen sie die akzeptanz von massnahmen

Workshops sind optimal, um die Ideen und Vorschläge der Beschäftigten für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen aufzugreifen. Die Mitarbeitenden kennen ihre Arbeitssituation am besten und haben selbst oftmals sehr brauchbare Hinweise für geeignete Maßnahmen. Nutzen Sie dieses Expertenwissen und fragen Sie im Workshop gezielt nach! „Was würde euch helfen, um das Problem zu beseitigen?“ oder „Wie sollte es künftig laufen, damit die Probleme nicht mehr gehäuft auftreten?“, sind lösungsorientierte Fragen, die Sie einsetzen können, um gemeinsam mit den Beschäftigten erste Ideen für Abhilfemaßnahmen zu erarbeiten.

Dieses Vorgehen hat positive Nebeneffekte. Die Beschäftigten fühlen sich gesehen und geschätzt, wenn Sie sie nach Ihrer Meinung fragen. Auch die Akzeptanz von Maßnahmen dürfte deutlich höher ausfallen, wenn die Beschäftigten bei deren Entwicklung mitreden konnten.

auf diese 7 punkte sollten sie bei der durchführung von workshops besonders achten

1.   Teilnahme auf freiwilliger Basis

 

Die Teilnahme an den Workshops sollte unbedingt freiwillig sein. Sie möchten ja einen offenen und ehrlichen Austausch über die psychischen Gefährdungsfaktoren erreichen. Das dürfte schwierig sein, wenn die Beschäftigten es nicht selbst in der Hand haben, ob sie teilnehmen dürfen.

Sie können die Bereitschaft zur Teilnahme erhöhen, indem Sie vorher sehr genau über den Zweck und den Ablauf der Diskussionsrunden aufklären. Das wirkt sich positiv auf die Teilnahmebereitschaft aus. Ein weiterer Pluspunkt ist, wenn die Mitwirkung als Arbeitszeit anerkannt wird.

 

2.   Ausreichend große, aber nicht zu große Diskussionsrunden

 

Ein Workshop macht ab sechs Teilnehmenden Sinn. Wenn die Gruppe kleiner ist, kann es sein, dass Sie nicht ausreichend Beiträge bekommen. Außerdem fürchten die Beschäftigten in sehr kleinen Runden zu Recht, dass hinterher rauskommen könnte, wer was gesagt hat.

Gleichwohl sollten Sie im Workshop nicht mehr als 15 Teilnehmende zulassen. Größere Gruppen zu steuern und durchgängig auf ein Thema zu fokussieren, ist schlichtweg schwieriger.

 

3.   Ausreichend lange, aber nicht zu lange Diskussionsrunden

 

Ein Workshop sollte nicht länger als vier Stunden dauern. Das hat verschiede Gründe. Zum einen ist es in vielen Unternehmensbereichen (insbesondere mit Kundenkontakt oder in der Produktion) schwer, die Beschäftigten länger aus dem Tagesgeschehen herauszunehmen. Zum anderen ist das die optimale Zeitspanne, um eine hohe Konzentration für die gesamte Dauer sicherzustellen. Machen Sie besser mehrere Workshops, wenn einer nicht ausreicht, um alle Themen zu besprechen.

 

4.   Für jede Untersuchungsgruppe mindestens einen Workshop durchführen

 

Da, wo sich die Arbeitsbedingungen gleichen, können Untersuchungsgruppen gebildet werden. Diese Einheiten sollten auch bei den Workshops zur Feinanalyse beachtet werden. Führen Sie für jede Untersuchungsgruppe mindestens einen Workshop durch. Größere Gruppen, in denen sich 50 oder gar mehr Beschäftigte befinden, vertragen auch mehrere Diskussionsrunden. Hier sollten Sie zwei bis drei Workshops organisieren.

 

5.   Beschäftigte und Führungskräfte zeitweise getrennt anhören

 

Bei der Beurteilung der psychischen Gefährdungen kommen die Themen nicht immer leichtfüßig daher. Es sollen auch zwischenmenschliche Beziehungen angesprochen werden. Sollten Sie durch den Fragebogen zuvor Hinweise erhalten, dass es in einer Gruppe Konflikte gibt, können Sie das folgendermaßen lösen.

Beim Hinweis auf eine Führungsproblematik (die Beschäftigten beschweren sich im Fragebogen über die mangelnde Unterstützung durch ihren Vorgesetzten oder kritisieren die Kommunikation mit dem Chef/der Chefin) hören Sie die Beschäftigten zeitweise getrennt von der Führungskraft. Eröffnen Sie den Workshop mit allen und bitten Sie dann die Führungskraft für eine gewisse Zeit draußen zu bleiben. Zum Ende des Workshops kann sie wieder teilnehmen. Die Beschäftigten können dann gleich ein erstes wertschätzendes Feedback geben, was sie stört und auch sagen, was sie sich künftig anders wünschen.

Sollten Sie durch den Fragebogen vermuten, dass es zwischen den Beschäftigten nicht gut läuft, ist es durchaus ratsam über andere Analyseformate nachzudenken. Hier können Sie Einzelinterviews anbieten, um eine Idee zu bekommen, ob sich der Verdacht aus dem Fragebogen bestätigt.

 

6.   Professionelle Moderation

 

Eine professionelle Moderation ist das A und O in den Workshops. Wenn Sie die folgenden Grundsätze beachten, kann nichts schief gehen:

-       Nehmen Sie als Moderator*in inhaltlich keinen Einfluss auf die Diskussion. Bleiben Sie neutral. Machen Sie verschiedene Meinungen sichtbar, ohne sich selbst einem Standpunkt anzuschließen.

-       Sorgen Sie als Moderator*in dafür, dass die Mehrheits-Meinung der Gruppe abgebildet wird. Bremsen Sie Vielredner höflich aus und sprechen Sie zurückhaltende Personen gezielt an.

-       Stellen Sie durch lösungsorientierte Fragen sicher, dass eine möglichst produktive Arbeitsatmosphäre entsteht. Bleiben Sie nicht bei den Problemen, fragen Sie auch nach Lösungen.

Wenn Sie die Workshops nicht selbst leiten möchten, können Sie sich von einem externen Moderator unterstützen lassen.

 

7.   Achten Sie auf geeignete Räumlichkeiten und Ausstattung

 

Für die Workshops müssen ausreichend große und ungestörte Räumlichkeiten organisiert werden. An Material vor Ort benötigen Sie:

-       Zwei Flipcharts mit ausreichend Papier

-       Zwei bespannte Pinnwände

-       Moderationsmaterial (Karten in unterschiedlichen Formen, Größen und Farben, Klebepunkte, Kreppband, Pinnnadeln, Flipchart-Stifte)

-       Einen Beamer, wenn Sie die Befragungsergebnisse zu Beginn präsentieren möchten.

Ihre Autorin

 

Andrea Ostermann-Brema

 

  • Diplom-Psychologin
  • Zertifizierte Kommunikations-beraterin-/trainerin (Schulz von Thun)
  • Aufsichtsperson § 18 SGB VII (DGUV)
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit (DGUV)

https://gute-gesunde-arbeit.de/

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